Die heilige Familie streikt

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Gott sei Dank leben wir in einem freien Land und dürfen unsere Meinung öffentlich äußern, wir haben das Recht zu protestieren und auch zu streiken wenn uns etwas gegen den Strich geht.
Ich habe mich gefragt: Was wäre denn eigentlich wenn die Heilige Familie einfach mal streiken würde?
Also Maria, Josef, die Engel und so aus der biblischen Weihnachtsgeschichte?

Ich stelle mir das in etwa so vor: „Es reicht!“ Engel Gabriel schmeißt die Tür krachend zu. „Ich mache da nicht mehr mit! Jedes Jahr wieder runter auf die Erde. Die Menschen hören doch eh nicht was ich sage. Sie hören überhaupt nicht zu. Süß finden sie mich. Goldig. Da fühle ich mich doch nicht ernst genommen. Hängen mich in den Baum. Malen mich nach mit goldblondgelockten Haaren und einem dämlichen Grinsen im Gesicht. So sehe ich doch gar nicht aus!“
„Mir reicht es auch schon lange,“ stöhnt Maria und hält sich den geschwollenen Bauch. Es ist so mühsam schwanger zu sein. Nachts kann ich nicht mehr richtig schlafen. Mir tut alles weh. Sodbrennen, Wasser in den Beinen. Früher habe ich gedacht: Das nehme ich alles gerne auf mich. Ist ja schließlich eine Ehre den Retter der Welt auszutragen. Mittlerweile denke ich: Die Menschen wollen doch gar keinen Retter. Sie möchten sich doch lieber selbst retten. Meinen das können sie selbst schon am besten. Können sie natürlich nicht. Aber helfen kann man denen schon lange nicht mehr.“
„Zwei von drei Hirten haben gekündigt. Der dritte König liegt mit Grippe im Bett. Das nasskalte Wetter bekommt ihm einfach nicht. Wen können wir als Ersatz anfragen?“ Engel Benjamin betritt den Raum und schaut in fragende Gesichter. Gott schwant nichts Gutes.
„Wir streiken!“ ruft Josef und springt auf. „Ja!“ tönt es aus einer anderen Ecke. „Wir fühlen uns ausgenutzt. Wir wollen keine Kulisse mehr sein!“
Die heilige Familie streikt. Was nun?

Ob es überhaupt auffällt wenn sie nicht mehr dabei sind?
Ich meine: Weihnachten ist doch viel mehr als das: Wir haben ja noch Lebkuchen, den Adventskranz, Adventskalender, Räuchermännchen, Engelspyramiden, den Tannenbaum (gut, wenn man sich den noch leisten kann), Lichterketten (ok, dieses Jahr etwas weniger wegen Energiesparen) aber immerhin…wir haben Weihnachtsmärkte, Glühwein, gebrannte Mandeln, Zimtsterne und all den ganzen Plunder, der uns so eine richtig schöne Stimmung macht.

Soll die heilige Familie doch eingeschnappt sein. So unverzichtbar sind sie ja nun nicht.
Und außerdem: Macht doch nichts wenn wir die ganze Sache um Weihnachten mal ein bisschen reduzieren. Minimalismus ist doch in. Wir sind doch dazu aufgerufen auch mal zu verzichten. Also: auf was vom Weihnachtsfest könntet ihr am ehesten verzichten?

Ich bin ehrlich: Auf die heilige Familie verzichten möchte ich nicht.
Und ich sage euch auch warum:
Was sollen wir denn tun ohne eine Maria?
Wir brauchen Maria, weil sie die Hoffnung in sich trägt.
Wir brauchen ihren Mut, die herausfordernde Aufgabe anzunehmen, die sie bekommt.
Wir brauchen ihre Fähigkeit an Wunder zu glauben (wer hält denn heute schon noch eine Jungfrauengeburt für möglich?).
Wir brauchen Marias Zutrauen in sich selbst (ich kann alles schaffen).
Wir brauchen etwas von Marias Gottvertrauen (Gott wird mich schon dadurch tragen).
Auf Maria möchte ich nicht verzichten.

Ich glaube wir brauchen auch einen Josef.
Wir brauchen seine Treue, die Fähigkeit zu jemandem zu halten, auch wenn es mal schwierig wird.
Wir brauchen etwas von seinem Vertrauen, auch ungewöhnliche Wege zu gehen die auf den ersten Blick keinen Sinn machen – mit der festen Zuversicht, dass Gott schon weiß, was er tut.
Wir brauchen einen Praktiker, der das Kind schon schaukeln wird.

Und dann brauchen wir doch auch wirklich die Engel.
Wir brauchen diese heilige Unterbrechung unseres Alltags.
Ein Stück vom Himmel auf der Erde.
Wir brauchen die Ahnung von einer Welt außerhalb von uns, die größer ist als unser kleiner Kosmos.
Wir brauchen Ratgeber und Wegweiser.
Und hin und wieder jemanden der uns sagt: Fürchte dich nicht! Du bist nicht alleine, Rettung naht, ich bin mit dir.

Und was ist mit den Hirten? Brauchen wir die auch?
Unbedingt!
Denn die Hirten erinnern uns immer wieder daran, zu wem die Weihnachtsbotschaft zuerst kam: Nicht zu den Reichen, den gut Situierten. Denen die gut dastehen und immer vorne mit dabei sind.
Nein, die rettende Botschaft kommt zuerst zu denjenigen, die am Rand unserer Gesellschaft stehen, die mit denen keiner etwas zu tun haben will.
Die nicht wissen wie sie den morgigen Tag überleben sollen, denen es mangelt an allem.
Die Hirten erden uns, sie mahnen uns, sie erinnern uns zu wem wir gerufen sind.
Die Hirten stehen für eine umgekehrte Gesellschaft: Die Letzten werden die Ersten sein.
Und die im Dunkeln sitzen zu denen kommt das Licht.

Und dann sind da noch die drei Weisen aus dem Morgenland, die drei Könige und was man aus ihnen auch im Laufe der Zeit gemacht hat.
Wir brauchen auch sie, weil sie uns zeigen: Es lohnt sich dem Licht zu folgen.
Auch wenn der Weg weit ist und das Ziel ungewiss: Es lohnt sich loszugehen.
Die drei Weisen halten die Neugier in uns wach, wecken unsere Abenteuerlust.
Sie lehren uns zu hoffen und Zeichen wahrzunehmen.
Wir brauchen die Weisen weil sie uns an eine Sache erinnern: Nämlich dass es im Leben darauf ankommt: im Schenken verschwenderisch zu sein. Gold, Weihrauch und Myrrhe. Nicht weniger für andere.

Und dann, ja dann ist da ja noch das Kind in der Krippe.
Am allerwenigsten können wir auf dieses Kind verzichten.
Es kam in unsere Welt, nackt und hilflos und wir hatten nur einen Stall zu bieten.
Das Kind erinnert uns daran: Dass Gott sich für nichts zu schade ist.
Er will uns nahe sein und dafür kommt er auch in unseren Dreck.
Mitten hinein in diese kaputte und egoistische, zerstörte Welt kommt er und will uns heil machen.
Diese Welt braucht einen Erlöser. Davon bin ich zutiefst überzeugt.
Vielleicht haben wir es längst aufgegeben auf einen Retter zu warten.
Die Lebenserfahrung lehrt uns scheinbar so manches Mal: Du kannst dich nur selber retten.
Da ist keiner der sich um dich schert.
Die heilige Familie ist deshalb so wichtig, weil sie dieses Bild wieder gerade rückt.

Auch wenn diese Welt verlassen scheint: Es kommt jedes Jahr wieder das Licht zur Welt.
Wir sind nicht dazu verdammt im Dunkeln zu sitzen.
Wir sind nicht allein. Und es ist nicht alles hoffnungslos.
Dieses kleine, unscheinbare manchmal vielleicht auch überflüssig scheinende Kind in der Krippe glaubt hartnäckiger als wir und hofft für uns mit.

Deshalb sage ich: Man kann auf Vieles verzichten an Weihnachten:
Auf die Geschenke, den Konsum, auf Festbeleuchtung und ein teures Weihnachtsessen.
Wenn wir auf die Heilige Familie, das Kind in der Krippe verzichten, dann wird uns aber tatsächlich etwas Fundamentales fehlen.

Deshalb übe ich auch dieses Jahr wieder ein Krippenspiel mit den Kindern ein.
Deshalb laden wir auch weiter zu unseren Weihnachtsgottesdiensten am Heiligen Abend ein.
Deshalb halte ich hartnäckig an der guten Botschaft fest.

Es gibt immer noch Hoffnung.
Gott hat diese Welt noch nicht aufgegeben.

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